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Tausende begeisterte Fans, ausverkaufte Konzerte allerorten und ein hervorragender Charteinstieg des neuen Albums „Katzengold“ sind eindrucksvolle Belege der überaus erfolgreich verlaufenden Karriere der bayerischen Formation Frittenbude. Ein Erfolg, der allerdings nicht ganz von ungefähr kommt, ist das Trio seit seiner Gründung im Mai 2006 doch nahezu permanent auf Tour und hat sich bereits durch diverse Remixe, sowie das hochgelobte Debütalbum „Nachtigall“ einen Namen in der Indie-Elektro-Szene hierzulande gemacht. Die Frittenbude aka Johannes, Martin und Jakob über Erfolge, Remixe und das Label als Heimat für Experimente.     


BB: Ihr habt euch vor gerade einmal vier Jahren gegründet und gehört inzwischen schon zu einer der angesagtesten Bands der nationalen Indie-Elektro-Szene. Ihr spielt landauf- landab unzählige Gigs und euer aktuelles Album „Katzengold“ hat es aus dem Stand ohne große Werbemaßnahmen in die Charts geschafft. Wie erklärt ihr euch diesen enormen Erfolg?

Johannes: Die Kids stehen im Moment einfach drauf.

Martin: Wir vereinen einfach auf ziemlich viele Stile, in unserer Musik kann jeder etwas für sich entdecken. Und dann ist da natürlich noch der ganze Hype um unsere Plattenfirma Audiolith. Wir haben uns nie vor neuer Musik verschlossen.

Jakob: Das ist einfach der Zeitgeist. Als wir angefangen haben, dachten wir eigentlich, dass die Art Musik, die wir machen schon durch ist, dass der ganze Hype längst rum ist. Aber es ist dann genau anders herum gewesen – immer mehr Leute fanden unsere Sachen gut und die Konzerte wurden größer. Und es liegt wohl auch an unseren deutschsprachigen Texten, denn es gibt wirklich wenig geile Musik mit deutschen Texten, von diesen Singer/Songwriter-Sachen mal abgesehen.

1663588 Profilaufrufe verzeichnet eure myspace-Seite aktuell  – welchen Anteil haben Social Media-Netzwerke wie myspace und Facebook an eurem Erfolg?

Johannes: Einen sehr großen! Wir sind dadurch in direktem Austausch mit unseren Fans und reagieren auch immer auf deren Einträge und Kommentare.

Jakob: Wir haben diese ganze myspace-Entwicklung ja auch voll mitbekommen und mitgemacht. Das war ja voll unser Ding! Wir haben das auch gar nicht unbedingt so marketingmäßig gesehen, sondern fanden das einfach nur geil und waren dabei.

Johannes: Wir haben ja auch keine wirkliche Webseite, sondern arbeiten in erster Linie mit unserem Blog, über den wir uns auch regelmäßig mitteilen, wenn wir auf Tour sind und so weiter.

Ihr habt zunächst Remixe für andere Bands wie Kettcar veröffentlicht, bevor euer Debütalbum „Nachtigall“ erschien. Warum habt ihr das Album hinten angestellt?

Jakob: Weil das nicht unüblich ist…

Martin: …die Bands remixen sich gegenseitig und pushen sich auf diese Weise.

Jakob: So läuft das auch bei Audiolith.

Die Hamburger Formation Deichkind war gewissermaßen ein Vorreiter der hiesigen Indie-Elektroszene und hat sicher auch für Bands wie Frittenbude oder Egotronic Türen aufgestoßen. Nach dem tragischen Tod ihres Produzenten und Masterminds Sebastian „Sebi“ Hackert zog sich die Band 2009  erst einmal zurück. Hat euch das geholfen, stärker auf euer eigenes Profil hinweisen zu können? Ich könnte mir vorstellen, dass euch die ewigen Vergleiche mit Deichkind irgendwann genervt haben.

Jakob: Deichkind hatten eine der fettesten Bühnenshows hierzulande, das war immer richtig geil! Aber wir sind da musikalisch eigentlich einen ähnlichen Weg gegangen und halt fast zu gleichen Zeit gestartet. Da waren auch die Einflüsse ähnlich.

Johannes: Deichkind sind auf jeden Fall früher durch die Decke gegangen, aber durch diese Decke sind wir ja auch noch nie gekommen. Wir sind aber ganz sicher nicht durch Deichkind auf unseren Sound gekommen. Das waren einfach die unterschiedlichen Einflüsse von uns dreien: Jakob macht die Technobeats, Martin ist unser Indie-Kid und ich bin schon seit Ewigkeiten im HipHop verwurzelt. Diese Einflüsse machen unsere Musik aus. Es wäre für uns vielleicht einfacher gewesen, wenn Deichkind jetzt noch ein neues Album gemacht hätten, denn dann hätte sicher jeder sofort gemerkt, dass deren neues Album und unser „Katzengold“ total unterschiedlich sind.     

Man kann euch keiner Szene wirklich zuordnen. Durch eure offenkundigen Sympathien für die Antifa-Szene werdet ihr oft zu Punkkonzerten eingeladen, spielt aber auch in Clubs, wo euch die Rave- und Elektroszene feiert und auf den großen Festivals gehen auch Alternative- und Indie-Rocker zu eurer Musik ab. In welcher Szene fühlt ihr euch am ehesten zuhause?

Johannes: Am allermeisten zuhause fühlen wir uns bei unserer Audiolith-Familie, bei unseren Freunden, die wir schon ewig kennen. Wir wollen zu keiner Szene gehören, weder zu einer musikalischen, noch zu einer politischen. Es wäre auch komisch, wenn wir drei sehr unterschiedlichen Köpfe uns versuchen würden, bei einer bestimmten Szene anzubiedern.

Martin: Ich finde auch, dass die meisten Szenen einfach sehr festgefahren sind. Da darfst du dann dieses und jenes nicht machen. Solche Grenzen braucht niemand.

Zuhause fühlt ihr, eigenen Aussagen zufolge, auf jeden Fall bei eurem Label Audiolith. Wie kam es zu eurer Zusammenarbeit mit den Hamburgern? Wie hat es euch Bayern in den hohen Norden verschlagen?

Jakob: Wir haben eigentlich gar nicht zwingend nach einer Plattenfirma gesucht. Wir haben zum Beispiel nie großartig Demos durch die Gegend geschickt oder so. Wir haben relativ bald nach unserer Gründung bereits viele Konzerte gespielt.

Johannes: Irgendwann hörten wir, dass Egotronic bei uns in der Gegend spielen. Wir haben uns dann bemüht, dort mitzuspielen, was auch geklappt hat. An dem Abend war auch Artur, der Booker von Egotronic dabei, der mittlerweile auch für uns zuständig ist. Dem hat unser Gig extrem gut gefallen, so sind wir schnell ins Gespräch gekommen. Die Jungs von Egotronic haben uns dann Lars von Audiolith vorgeschlagen, so kam eins zum anderen.

Audiolith veröffentlicht ja nicht nur eure Platten, sondern bietet euch auch eine sehr kreative Spielwiese. Ihr habt auch schon Remixe für andere Audiolith-Kollegen wie Bratze und Egotronic gemacht. Wird es da in Zukunft mehr geben? Oder steht erst wieder ein neues Album an? Wie sehen eure Pläne aus?

Johannes: Wir machen uns erstmal gar keine Gedanken über ein neues Album. Jakob macht erstmal mit Ira Atari zusammen Musik, Martin geht erstmal mit seiner Spacerock-Indieband Pandoras Box auf Tour und ich mach auch vielleicht bald was eigenes, da kann ich aber noch nichts Konkretes zu sagen.

Jakob: Es ist auch absolut wichtig, dass wir das jetzt machen. Man muss immer wieder mal eine Zeitlang eigene Wege gehen, um seinen Horizont zu erweitern, damit Du immer wieder neue Ideen hast und dich nicht kopierst.

Vielen Dank für das Gespräch.

 

(Interview: Benjamin Metz | Juli 2010)

 

Weitere Infos unter:

www.myspace.com/frittenbude

http://frittenbude.blogsport.de/

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