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Eine exzellente Debütsingle („Kopf oder Zahl“), ein formidabler 5. Platz bei Stefan Raabs „Bundesvision Song Contest“, sowie ein 1a Chartentry des Debütalbums „Ins offene Messer“ lassen das Gerücht zur Gewissheit werden, dass die Berliner Band Jennifer Rostock direkt durch die Decke geht. Im Zentrum der Band stehen die von der Insel Usedom stammenden Jennifer Weist (Gesang) und Johannes „Joe“ Walter-Müller (Keyboard), die kurz nach ihrem Umzug nach Berlin 2006 Jennifer Rostock gründeten. Jennifer und Joe über Erfolg, provinzielle Anfangstage und ihr Verhältnis zu Berlin.

 

BB: „Bitte machen Sie Platz auf der Karriereleiter!“ lautet gleich die erste Ansage auf Eurer Debütsingle „Kopf oder Zahl“. Bis dato war dieses Statement auch Programm: Seit  2006 seit Ihr ziemlich schnell nach oben angekommen. Wart Ihr wirklich so sicher, dass Euer Erfolg kommen würde und dann auch in solch einem Tempo?

Joe: Das war natürlich von Anfang an so geplant, daher überrascht uns der Erfolg jetzt eigentlich auch überhaupt nicht.

Jennifer: Eigentlich ist das alles nur dem ausgeklügeltem Marekting und dem ganzen Image zu verdanken…(lacht).

An Selbstbewusstsein scheint es Euch nicht zu mangeln…

Jennifer: Stimmt (lacht).

Ihr stammt beide aus Zinnowitz von der Insel Usedom und habt bereits dort gemeinsam in einer Band gespielt. Gab es auf Usedom wirklich ein Publikum? In der Regel ist es um die Liveszene in der Provinz ja eher mau bestellt.

Joe: Genau aus diesem Grund sind wir ja auch nach Berlin gegangen, denn auf Usedom war ja nichts los.

Jennifer: Richtig.

2006 habt Ihr dann Eure Koffer gepackt und seit auf dem Weg nach Berlin der Legende nach in Rostock hängen geblieben…

Jennifer: „Der Legende nach“ find ich gut.

…wo Ihr auf einem  Songwriting Workshop dem Produzenten Werner „Dr. Roc“ Krumme über den Weg gelaufen seit, der fortan Produzent, Manager und Mentor für Euch war. Wie wichtig war diese Begegnung? Wäre Euer Weg in Berlin anders verlaufen ohne diese „Starthilfe“? Werners „Planet Roc“-Studio ist ja eine der Top Adressen für Berliner Musiker…

Joe: Wir hatten so zumindest schon mal einen Fuß in der Tür. Ich denke, das Ganze wäre auf jeden Fall anders gelaufen, wenn wir diesen Start nicht gehabt hätten…

Jennifer: …nee, das kann man ja nicht wirklich wissen. Aber stimmt schon… so ist auf jeden Fall alles ein Stück schneller passiert.

Wie kam es eigentlich zu Eurem Bandnamen? Die Vermutung liegt nahe, dass Ihr nach Eurer Ankunft in Berlin die Tage in Mecklenburg-Vorpommern eher hinter Euch lassen wolltet. Da benennt man sich ja nicht unbedingt nach einer Stadt aus der Heimat.

Jennifer: Nee, so ist das eigentlich gar nicht. Also, nur weil wir MeckPomm den Rücken gekehrt haben, heißt das ja noch nicht, dass wir dort alles beschissen gefunden haben. MeckPomm hat ja auch seine schönen Seiten. Wir haben uns bei der Suche nach einem Bandnamen gar nicht so viele Gedanken gemacht…

Joe: Der kam eher zufällig im Studio. Da war das schon so die ganze Zeit der Arbeitstitel unter dem unsere Sachen liefen und jeder dort kannte uns schon unter dem Namen. Irgendwie wäre es komisch gewesen, wenn wir das noch mal geändert hätten.

Wie seid Ihr eigentlich an Eure Bandmates Baku, Christoph und Alex gekommen?

Jennifer: Die haben wir im Studio kennengelernt.

Wie praktisch…

Jennifer: Ja, sehr. Die drei hatten damals andere Projekte laufen und man kam dann so ins Gespräch, von wegen „Ach, ihr macht auch Musik?“ und so weiter. Dann ist man halt mal zusammen in einen Proberaum und das war es dann – es hat einfach gepasst!

Nicht wenige halten Jennifer Rostock für eine waschechte Berliner Band, dabei besteht die Gruppe ja überwiegend aus Zugezogenen. Ihr stammt ja, wie bereits erwähnt, ursprünglich von der Insel Usedom, Schlagzeuger Baku ist aus Darmstadt. Ist das eigentlich typisch für eine Berliner Band? Man hat mitunter den Eindruck, in Berlin leben ohnehin nur Zugezogene?

Joe: Da ist auf jeden Fall was dran.

Jennifer: Aber das sind doch alles Klischees, dieses „Berliner Schnauze“ Ding und so… Wenn eine Band aus Hamburg kommt, dann wird da auch als erstes die „Hamburger Schule“ zitiert. Das ist totaler Schwachsinn. Nichts in unseren Texten deutet auf Berlin hin.

In den Texten vielleicht nicht. Aber vielleicht dient die Stadt ja als Inspiration. Wie wichtig war eigentlich Berlin für die Entstehung von Jennifer Rostock? Hättet Ihr in einer anderen Stadt genauso zusammenkommen können? Wäre dabei etwas Ähnliches herausgekommen?

Jennifer: Für uns zählt eigentlich nur die Band, also die Leute. Das sind zunächst Joe und ich beim Songwriting und natürlich die anderen, wenn es dann an die Arrangements, das ganze Ausarbeiten der Songs geht. Aber in welcher Stadt wir Songs schreiben, etc. ist echt egal.

Als das Video zu „Kopf oder Zahl“ auf Rotation bei MTV ging, hatten nicht wenige den Eindruck, dass es bei Jennifer Rostock so etwas wie einen Masterplan gibt, einfach weil dieser ganze Vintagelook und auch Euer Sound fast ein bisschen zu hip wirkten. Soundmäßig sehen Euch viele recht nah an Ideal und MIA und optisch könntet Ihr auch eine dieser New Yorker CBGB Bands aus den späten 70er Jahren, wie Blondie, Ramones, etc. sein... das klingt eben sehr als hätte sich das ein findiger Kopf ausgedacht. Wie reagiert Ihr auf solche Statements?

Joe: Klar, gab es schon auch Überlegungen, wie wir uns präsentieren, aber da war kein „Plan“ oder die „raffinierte Plattenfirma“ dahinter.

Jennifer: Über dieses ganze „Masterplan“-Ding haben wir auch schon desöfteren gelesen, klar. Ich weiß nicht, wenn ich uns so von außen betrachte, würde ich uns wahrscheinlich auch für eine gecastete Band halten, so toll wie wir alle aussehen (lacht). Nee, Quatsch. Solche Sprüche hören wir immer wieder mal, aber das ist uns eigentlich egal, denn die Leute in unserem Umfeld wissen ja, wie sich das ganze Ding entwickelt hat. Wichtig sind uns die Leute vor der Bühne, und die interessiert das eigentlich genauso wenig wie uns.

Euer Sound passt aber wirklich sehr gut in das immer noch andauernden 80s Revival. Wie reagiert Ihr, wenn Sound und Look einmal völlig passé sein sollten?

Jennifer: Das hat sich wirklich alles ganz aus der Band heraus ergeben. Hätten wir einen anderen Drummer oder einen anderen Basser, würden man das sicher auch hören.

Joe: Wir fingen halt einfach an mit Synthesizern rumzuspielen. Was herauskam gefiel uns. Klar, dass unsere Songs dadurch auch diesen elektronischen Touch haben…

Jennifer: Aber wir funktionieren da einfach als Band. Nicht  wie ein Modedesigner, der sich jetzt schon überlegt, welche Farbe nächsten Sommer hip ist. Dass unser so gut in die Zeit passt, finden wir natürlich super, aber da gibt es kein Kalkül. Viele Songs haben Joe und ich ja schon vor langer Zeit geschrieben.

Ihr habt Euch auch als Liveband einen exzellenten Ruf erspielt, den Ihr anscheinend untermauern möchtet: Ihr spielt an die 100 Konzerte pro Jahr. Bleibt da eigentlich noch Zeit, neue Songs zu schreiben und ins Studio zu gehen?

Jennifer: Muss ja.

Joe: Man hört ja nicht auf Songs zu schreiben, nur weil die Platte fertig ist. Das geht eigentlich direkt weiter.

Bei all der Tourerei könnte ich mir vorstellen, dass freie Tage bei Euch Mangelware sind. Was würdet Ihr machen, wenn Ihr Euch jetzt einfach mal ein, zwei Wochen aus dem Tourtrott rausnehmen könntet?

Joe: Songs schreiben!

Jennifer: Wegfahren!

Vielen Dank für das Gespräch.

 

(Interview: Benjamin Metz | August 2008)

 

Weitere Infos:

www.jennifer-rostock.de

www.myspace.com/jenniferrostock

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